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Das Wichtigste ist doch, wie es uns geht…

Ihr Lieben, ich habe heute Morgen die neue Podcastfolge vom Neuanfang Podcast gehört. Sara und Lisa vom Riskhappinessblog unterhalten sich darüber, dass um dieses ganze Thema der persönlichen Weiterentwicklung manchmal ein Hype entsteht und welche Risiken es birgt, wenn das Manifestieren dann mal nicht geklappt hat und man sich dafür fertig macht, anstatt sich selbst auch dann mit Liebe und Mitgefühl zu begegnen.

Meine persönliche Geschichte dazu steht schon eine Weile als Blogpostidee in meinem Notizbuch und angeregt durch die beiden Mädels war ich inspiriert das Ganze heute mit Euch zu teilen. Es ist einfach soo wichtig sich auch die Tiefs zu erlauben, da durch zu gehen, durch die Enttäuschung, durch den Schmerz was immer es ist. Und nicht klein oder schlecht zu machen, dass es da ist, denn in dem Moment gehört auch das zu Dir.

Im August hatte ich ein erstes Zwischenstaging. Das bedeutet es wurde ein PET CT gemacht, um zu gucken wie sich das Lymphom in den ersten 6 Zyklen der Therapie entwickelt hatte. Das Studienprotokoll besagt es muss gleich groß geblieben oder kleiner geworden sein ansonsten bin ich Off Study, also raus aus der Studie und hätte eine andere Therapie gebraucht.

In meinem ersten Blogpost hatte ich ja bereits erzählt, dass ich über Louise Hay zum Meditieren gekommen bin und auch dazu positive Affirmationen zu benutzen. Meine Energie sollte ja zu den Dingen fließen die ich in meinem Leben haben möchte, damit die dann bitte auch wahr werden können ;). Also affirmierte ich fleißig: „Das ist die Therapie, die ich für mich gewählt habe und sie funktioniert. Die Ärzte werden begeistert davon sein, wie gut ich auf das Medikament anspreche. Ich bin bereit die Verhaltensmuster loszulassen, die dazu geführt haben, dass sich diese Erkrankung in meinem Körper manifestiert.“

Ich war mega zuversichtlich und fast schon überzeugt, dass ich alle überraschen werde und das Lymphom bis zum PET CT Termin entweder ganz verschwunden oder zumindest winzig klein geworden sein musste. Und das obwohl mir mein Arzt zu Beginn der Therapie gesagt hatte, dass es sein kann das es eine Weile braucht bis das Medikament wirkt.

Als der Termin näher rückte kam hin und wieder die gewohnte Nervosität in mir hoch, die sich halt breit macht kurz vor solchen Kontroll-Terminen. Allerdings längst nicht so breit wie ich es von vorherigen Terminen kannte. Klar inzwischen hab ich da natürlich auch eine gewisse Routine entwickelt, so eine Untersuchung sitze ich inzwischen auf einer Arschbacke ab 😉 Allerdings lag ich mit einer ganz neuen Gelassenheit im CT. Auch schon kurz vorher hab ich einfach darauf vertraut, dass die Schwester diesmal sicherlich beim ersten Mal die Vene treffen wird und sie mich nicht wie beim letzten Mal drei Mal stechen müssen beim Zugang legen und so war es dann auch. 😉 Während der Untersuchung selbst hab ich mich darauf konzentriert wie dankbar ich dafür bin, dass es diese Untersuchungsmethode gibt und man anhand dessen so genau Veränderungen an der Tumormasse sehen und  feststellen kann.

Ca. eine Woche später stand dann die Besprechung des Ganzen an und anders als vor dem Untersuchungstermin selbst machte sich dann doch auch wieder diese Angst breit…davor nicht zu wissen was passieren würde und einfach das große Bedürfnis am nächsten Tag nicht dorthin zu gehen, sondern wegzufliegen an einem riesigen mit Helium gefüllten Ballon am liebsten irgendwo ans Meer….was mir in solchen Momenten mega hilft ist mit Freunden zu sprechen, die solche Situationen kennen und denen Du nichts mehr erklären musst. Aber auch eine ganz tolle Meditation aus dem Podcast Happy, Holy & Confident von Laura Malina Seiler, die „Voller Vertrauen in die Zukunft schauen“- Meditation. Dadurch werde ich einfach innerlich wieder ruhiger, mache mir weniger Sorgen weil  am Ende doch immer alles gut wird ❤

Am besagten Tag wachte ich zu meiner eigenen Überraschung ziemlich gelassen auf. Mein großes Glück und wahrscheinlich der Grund dafür, dass es so blieb war, dass mich meine Studienassistentin morgens schon anrief und mir so viel verraten konnte, als dass ich zumindest weitermachen kann mit der Therapie. Woohooo!!! Große Freude, denn das schloss auf jeden Fall schon mal den worst case aus. Im Krankenhaus angekommen ging das Gefühlschaos dann allerdings wieder los. Der Wunsch danach, dass mir der Arzt gleich sagen würde: „ Herzlichen Glückwunsch, Sie haben es geschafft es ist alles weg.“, wurde lauter und lauter…ich wollte soo gerne fertig sein mit dem Thema. Soo gerne keinen Krebs mehr haben, keine Angst davor haben was passiert wenn die Therapie nicht funktioniert. Den Wunsch danach keine Medikamente mehr nehmen zu müssen. Einen Wunsch, den ich vielleicht auch vorher nicht habe laut werden lassen, weil ich immer denke ich MUSS so positiv denken, sonst wird das hier alles nichts.

Lange Rede, kurzer Sinn: das PET CT Bild zeigte zum Vorbefund keine Veränderung. Ich spürte sofort wie sich mein Hals zuschnürte und mir die Tränen das Gesicht runter liefen. „Es ist noch nicht vorbei….“, dachte ich. Mein Arzt legte mir nah, das Ganze nicht als Misserfolg zu betrachten, sondern als Erfolg, weil hey es war schließlich nicht weiter gewachsen. Und das Ergebnis zwar nicht das, welches wir uns alle erhofft hatten, aber in keinerlei Hinsicht ein Hinweis darauf, dass die Therapie nicht funktioniert. „Das Wichtigste ist doch“, sagte er „wie es Ihnen geht. Wie geht’s Ihnen denn?“ „Mir geht’s gut!“, konnte ich nur antworten. Ich fühlte mich körperlich absolut gut, keine Schmerzen, kaum Nebenwirkungen, alles top. Er hatte doch so Recht. Also gut. Tränen weggewischt und mit meiner Mama gemeinsam beschlossen: „Wir sehen das jetzt als Erfolg!“

Mein erster Weg danach führte mich in die heimische Stadtbücherei. Ich wollte mehr mithelfen dabei zu heilen, mehr darüber lernen wie mein Körper funktioniert und ihn bestmöglich dabei unterstützen gesund zu werden. In erster Linie auch durch Ernährung. Bepackt mit zahlreichen Büchern machte ich mich auf den Weg nach Hause. Aber mein Herz war schwer. Trotz der zahlreichen Versuche das Positive zu sehen machte sich nach und nach die Enttäuschung breit. Die Enttäuschung darüber, dass ich dachte mein Plan sei nicht aufgegangen, oder auch schlicht und ergreifend darüber, dass es eben noch nicht vorbei war. Ich hatte auch keine große Lust Anderen von dem Ergebnis zu berichten. Allerdings warteten ein paar Menschen auch darauf. Ich schickte eine Sprachnachricht an eine Gruppe von engen Freunden und während der Aufnahme fing ich wieder an zu weinen. Ich erinnere mich daran, dass ich sprach und sagte….“aber vielleicht muss ich mir die Enttäuschung jetzt auch einfach erlauben.“ Und genau das ist es nämlich. Sie war ja da. Ganz offensichtlich da, daran gab es nichts zu rütteln. Also entschied ich mich für den Weg durch die Enttäuschung durch, weinte bitterlich zuhause auf meiner Couch, trauerte um die zerplatzte Vorstellung von meiner „Ich bin wieder gesund –Party“, die ich an dem Abend gerne geschmissen hätte. Ich ließ alles raus, den ganzen beschissenen Mist und nahm mir einfach die Zeit dafür. Irgendwann bin ich einfach eingeschlafen…und ohne Witz als ich wieder aufwachte war diese ganz große Traurigkeit schon wieder weitergezogen.

Und soll ich Dir was sagen? Es hat sich trotzdem gelohnt vorher so extrem positiv zu denken. Denn auch wenn die Enttäuschung groß war, ging es mir doch die ganze Zeit davor so besser, als wenn ich mir schlimme Gedanken gemacht hätte. Ich halte absolut nichts mehr von „ich rechne mal mit dem Schlimmsten, denn dann trifft es mich nicht so hart.“ Das ist meiner Meinung nach kompletter Quatsch. Der Überraschungseffekt ist vielleicht größer, aber das Gefühl der Trauer oder Enttäuschung an sich im Endeffekt genau so intensiv. Warum sich das Leben also schon vorher schwerer machen als es sein muss?

Es hat dann so grob 1,5 Tage gebraucht bis ich wieder voller positiver Gedanken in die Zukunft blicken und sehen konnte, dass doch alles gut ist wie es ist. Heute glaube ich, dass ich nochmal ein anderes Bewusstsein dafür entwickelt habe meinen Körper bewusst bei der Heilung zu unterstützen. Ich hab mir Gedanken darüber gemacht, was ich aktiv tun kann, was ich beitragen kann und damit auch ein Stück weit noch mehr Verantwortung übernommen. Und ganz wichtig an der Stelle Verantwortung zu übernehmen ist kein Schuldeingeständnis, das wäre wieder sehr negativ und vorwurfsvoll mir selbst gegenüber. Sondern eher so gesehen: Aus Liebe zu mir und meinem Körper möchte ich alles dazu beitragen geheilt zu werden. Einfach weil ich soo unendlich dankbar dafür bin hier zu sein. Dafür, dass ich jeden Morgen aufstehen und mich dem Leben stellen darf. Für dieses wundervolle Medikament, welches es mir ermöglicht trotz Krebstherapie am Leben teilzuhaben. Das Leben ist ein gigantisches Abenteuer und wir dürfen so viel erfahren. So viel Liebe, die uns umgibt und für die wir nur lernen müssen offen zu sein. Und die gerade in den schwersten Zeiten oft am hellsten strahlt, bzw. wir sie dann oft erst strahlen sehen obwohl sie eigentlich ja immer da ist. Und es macht soo viel Spaß das zu erkennen und in den kleinste Dingen das größte Glück und die größte Erfüllung zu sehen ❤

In diesem Sinne it’s time to shine 😉 ❤ ❤ ❤

Liebste Grüße und vielen Dank fürs Lesen ❤

Deine Sina

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Ein Gedanke zu „Das Wichtigste ist doch, wie es uns geht…“

  1. Liebe Sina,
    ich bin geehrt, Teil der Inspiration für diesen Artikel und dein „nach draußen Gehen“ zu sein. Ich finde es sehr beeindruckend, wie du mit dem Krebs lebst und lernst! Und wie du deine Geschichte teilst, um wieder andere Menschen zu inspirieren. Genau diesen „Ripple-Effect“ braucht unsere Welt!
    Ich wünsche dir viel Kraft auf deinem Weg und eine gesunde Zukunft!
    Liebe Grüße, Sara
    aka Happy Planties / Neuanfang Podcast

    Gefällt 2 Personen

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