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Vom Los und Lassen

„Los und lassen. Etwas loslassen, etwas nicht mehr erfassen. Nicht los schieben, brechen, biegen. Grenzen verschieben. Ganz einfach loslassen.

Es braucht keiner Anstrengung keiner Kraft. Im Gegenteil, wenn wir etwas fallen lassen schmeißen wir ja auch nichts hin.

Es verbirgt sich eigentlich alles in dem Wort lassen. Laut Duden und der deutschen Grammatik ist es definiert als ein starkes Verb.

Die 1. Bedeutung etwas veranlassen, bewirken (dass etwas geschieht)

  1. zulassen, erlauben; dulden; nicht an etwas hindern

Ist das nicht schon der Widerspruch in sich? Und vielleicht auch schon der Grund weshalb es so oft so schwer fällt?

Etwas zu veranlassen ist das nicht das Gegenteil von lassen?

Loslassen. Für mich bedeutet das im Jetzt frei zu sein. Den Moment zu nehmen wie er ist und gleichzeitig nach allen Regeln der Kunst, nach meinen Vorstellungen bunt zu gestalten.

Wir versuchen immer Antworten zu finden in äußeren Umständen weil uns das Sicherheit gibt und Kontrolle. Aber im Endeffekt kontrollieren wir doch nichts außer dem was wir jetzt tun, in diesem Moment.“

 

Das hab ich geschrieben nachdem ich zum ersten Mal gespürt hatte was es bedeutet loszulassen, mich hinzugeben, zu vertrauen ins Leben und darin, dass schon alles seine Richtigkeit hat.

Loslassen ist ja ein beliebtes Thema, ein gern erteilter Ratschlag. „Du musst das jetzt einfach loslassen!“ Ein Satz, den auch ich schon das ein oder andere Mal gehört und garantiert auch gesagt habe in meinem Leben. Mal ging es um einen Menschen, mal um eine Situation, die schief gegangen war und die ich einfach nicht abhaken konnte. Ich meine die Botschaft eines der erfolgreichsten Disney Liedern aller Zeiten ist nicht umsonst „Let it go“ 😉

Wirklich  gespürt was es bedeutet loszulassen hab ich vor ein paar Monaten im Anschluss an ein Gespräch mit einer Onkologin. Aber vorher muss ich etwas ausholen.

Der Beginn der Therapie war nicht so ganz einfach. Ich hatte starke Nebenwirkungen völlig anders als von meinen Ärzten erwartet. Dazu muss man vielleicht wissen, dass die Behandlung im Rahmen einer Studie stattfindet, die vergleichsweise wenig Teilnehmer hat. Die anderen Probanden waren also problemlos in die Behandlung gestartet. Ich lag nach 3 Wochen Tabletteneinnahme allerdings komplett flach. Das eigentlich Schwierige für mich daran war, dass mir dabei niemand so recht helfen konnte, niemand mir die Antworten geben konnte, die ich mir so sehr gewünscht hatte. Ich wollte eine Anleitung. Eine genaue Antwort darauf was da gerade in meinem Körper passiert und am liebsten eine detaillierte Gebrauchsanweisung. Plan A ist wir machen das und das, wenn das nicht funktioniert gibt es aber natürlich noch Plan B-Z. Und für jeden Plan am besten noch 3 verschieden Lösungsansätze, die man auch noch ausprobieren kann. Ich meine das sind doch schließlich meine Ärzte, absolute Experten für meine Erkrankung. Die müssen ja schließlich wissen was wir jetzt am besten unternehmen und wie die nächsten Schritte aussehen. So viel zu meinen Gedanken in der Situation.

Diese Antworten gab es so allerdings nicht, denn meine Symptome waren im Bezug auf das Medikament völlig unbekannt und die Ärzte wussten schlichtweg nicht, ob mein Zustand nun an der Therapie lag oder ich mir einfach nur einen fiesen Virus eingefangen hatte. Da es mir aber echt schlecht ging wurde die Therapie erstmal unterbrochen. In dieser Zeit habe ich erstmalig angefangen mich mit Meditation zu beschäftigen und bin durch YouTube auf geleitete Meditationen von Louise Hay gestoßen. Die hatte dann von ihrer Spiegelarbeit gesprochen und ich hab mich dann ernsthaft jeden Tag, manchmal mehrmals am Tag vor den Spiegel gestellt und gesagt: „Die Symptome kommen nicht vom Medikament. Dies ist die Therapie die ich mir ausgesucht habe und sie funktioniert.“ Zugegeben am Anfang kam ich mir ziemlich bescheuert dabei vor aber irgendwie hat es mich innerlich ruhiger werden lassen und ich fing an mir wirklich zu glauben was ich da erzählte.

Nach 2 Wochen musste eine Entscheidung getroffen werden. Die Studie schreibt vor, dass eine Unterbrechung der Einnahme von mehr als 14 Tagen zum Ausschluss führt was für mich bedeutet hätte keine Chance mehr zu haben mit diesem neuen, vielversprechenden Medikament behandelt zu werden. Also fing ich wieder an und direkt am ersten Tag wenige Stunden nach der Einnahme sah ich wieder aus wie ein Streuselkuchen, glühte im Gesicht und am Körper. Verdammt! Hab ich gedacht. Ich bin bis heute einer lieben Freundin soo dankbar <3, dafür dass sie einfach gekommen ist, mich eingepackt hat und bei sich hat schlafen lassen, so dass ich nachts nicht alleine war und ggf. hätte entscheiden müssen Notaufnahme ja oder nein.

Am nächsten Morgen sah ich schon wieder halbwegs normal aus und es ging mir deutlich besser. Trotzdem machte ich mich auf den Weg zu meinen behandelnden Ärzten. Als ich der Onkologin vom Vortag erzählte, wollte sie die Therapie sofort abbrechen. Ich allerdings nicht. Ich sah die Therapie als Chance möglichst gut und unbeschadet durch diese Zeit zu kommen. Sie ließ sich dann auch darauf ein mit der Einnahme fortzufahren und einfach abzuwarten was passiert. Allerdings nicht ohne mich darauf hinzuweisen, dass sie auch nicht abschätze könne wie es jetzt weitergeht und dass es den Masterplan, den ich mir so sehr gewünscht hatte, nicht gibt. Für ihre Worte die bei mir ein paar Tage vorher noch Unverständnis, Wut und Verzweiflung hervorgerufen hatten, hatte ich auf einmal Verständnis. Sie hatte ja Recht und sie machte doch auch einfach nur ihren Job. Meine unerfüllten Erwartungen an sie waren das Problem, nicht aber ihre Reaktion auf diese.

Und auf einmal war ich ganz ruhig. Ich erinnere mich noch genau an den Weg zum Fahrstuhl als ich auf einmal verstanden habe. Ich weiß nicht was passieren wird, niemand weiß das. Alles was ich tun kann ist zuzusehen, dass es mir im Hier und Jetzt so gut wie möglich geht. Ich hab aufgehört mir den Kopf darüber zu zerbrechen, was wäre wenn das und das passiert, aufgehört mir Horrorszenarien auszumalen, sondern war im Moment. Ein Moment von dem ich sagen konnte, hey es geht mir schon deutlich besser als gestern. Das ist doch toll! Und alles andere kommt wie es kommt. Ich hab es einfach losgelassen. Und tatsächlich war es dann auch ganz einfach.

Heute glaube ich, dass Vertrauen dabei eine große Rolle gespielt hat. In mich selbst und ins Leben an sich. Die tiefe Gewissheit darin mit allem fertig werden zu können, vollkommen egal was es ist.

Und wie schon in meinem ersten Blogpost erwähnt, läuft die Therapie heute ohne Probleme. Meine Blutwerte sind stabil und es geht soweit, dass die Erkrankung völlig in den Hintergrund rückt, ja zeitweise sogar in Vergessenheit gerät. Zum Zeitpunkt der Diagnosen, sowohl der Ersten als auch der Zweiten, wäre das undenkbar für mich gewesen.

Dafür bin ich sehr, sehr, sehr dankbar. Dem Großen Ganzen, Universum, Schicksal nenn es wie du willst.  Aber vor allem auch mir selbst weil ich inzwischen daran glaube, nein fest davon überzeugt bin, dass ich mir das erschaffen habe.

Ich wünsche Dir auch dieses Gefühl der kompletten inneren Ruhe und den tiefen Glauben in dich selbst und daran, dass alles aber auch wirklich alles möglich ist ❤

Vielen Dank fürs Lesen und für deine Zeit ❤

Viel Liebe

Sina

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Ein Gedanke zu „Vom Los und Lassen“

  1. Deine Zeilen sind ganz wunderbar und haben mich sehr berührt! Meditation und das Wissen, dass du viele Antworten nicht im Außen, sondern in dir selbst findest, sind so kostbar. Ich meditiere jeden Morgen und bin dankbar für all das, was ich in meinem Leben habe und das hat bei mir unheimlich viel verändert. Ich wünsche dir nur das Beste auf deinem weiteren Weg! 🙂 Falls du Mal etwas zum Anhören suchst, kann ich dir aus tiefstem Herzen den Podcast von Laura Malina Seiler empfehlen.

    Liebst,
    Any | Echo Of Magic

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